Joseph Brodsky (24. Mai 1940 – 28. Jan. 1996); russischer Schriftsteller
Der Schriftsteller Joseph Brodsky kam 1940 als Sohn russisch-jüdischer Eltern in Sankt Petersburg (damals Leningrad) zur Welt, – ein Kriegskind. Entsprechend groß war der Einfluss, den die Leningrader Blockade und vor allem die schweren Nachkriegsjahre auf sein späteres Leben ausüben mussten. Das vorzeitige  Verlassen der Schule im Alter von 15 Jahren nannte er später einmal den ersten „freien Akt seines Willens“. Erst absolvierte er eine Ausbildung zum Fräser, auch später hielt er sich zuvorderst mit antiintellektueller Arbeit über Wasser.

Angekommen: Joseph Brodsky kurz vor seinem Tod.

Nicht so zuhause, wo sich Brodsky mehr und mehr in das Schreiben vertiefte. Und obwohl seine Lyrik im Grunde eher unpolitisch war, bekam er die Strenge des Sowjetsystems hautnah zu spüren; und zwar sprichwörtlich. Folter, Anstalt, Gericht, Verbannung – in dieser Reihenfolge versuchte man seinem literarischen Schaffen Einhalt zu gebieten. Ohne den gewünschten Erfolg.

Es regte sich großer Widerstand gegen die geradezu peinliche Aburteilung des hochbegabten Künstlers, sowohl im In- als auch im Ausland. Nach nur einem Jahr konnte er wieder nach Sankt Petersburg zurückkehren. Doch der Konflikt mit dem System schwelte weiter, bis er Anfang der 70er schließlich des Landes verwiesen wurde. Zu sehr hatte er sich gegen die Zensur und die Umdeutung seiner Werke gewehrt.

In den USA erging es Brodsky deutlich besser. Er unterrichtete als Gastdozent an einer Universität und begann parallel mit der Veröffentlichung seiner Werke. Mit großem Erfolg, denn binnen kürzester Zeit erhielt er nun den Ruhm und die Anerkennung, die ihm in seiner russischen Heimat wohl auf Lebzeit verwehrt geblieben wäre. 1987 gewann er den Literatur-Nobelpreis. Doch nach Russland kehrte er auch als längst rehabilitierter Autor von Weltrang nicht mehr zurück. Joseph Brodsky starb 1996 in New York an einem Herzinfarkt. Sein Grab befindet sich in Italien auf der Friedhofsinsel San Michele nahe Venedig.

 

» Weiter mit Iwan Pawlow