Im Juni, wenn die Tage in Sankt Petersburg eigentlich gar nicht enden wollen, ist die Eremitage in der Regel besonders gut besucht. Es ist die Zeit der berühmten Weißen Nächte, in denen das Leben auf den Plätzen und Prospekten der Stadt allenfalls stundenweise zum Erliegen kommt. Nun bilden sich vor den Toren des Museums, dessen Prachtbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert als monumentales Herzstück der Metropole anzusehen sind, regelmäßig Warteschlangen.

Zahllose Gänge führen durch den Komplex.

In den sieben Gebäuden und – man höre und staune – 1.000 Ausstellungsräumen des weltbekannten Komplexes sind derzeit mehr als 60.000 Exponate von zum Teil unschätzbarem Wert beheimatet. Es finden sich Gemälde so illustrer Größen wie Rembrandt, Rubens und Gauguin. Aber auch Da Vinci, Monet, Renoir oder Picasso erfreuen sich stetiger Bewunderung. Kunsthistorischer Gigantismus für jedermann.

Das war nicht immer so: Bis Anfang des 20. Jahrhunderts blieb die Besichtigung der ausgestellten Werke lediglich einer Handvoll privilegierter Gäste vorbehalten. Erst 1922 öffneten sich die Tore der Eremitage auch einem breiten Publikum. Seither versetzten ihre Sammlungen Generationen von Besuchern in Verzückung. Auch wenn man es heute nicht glauben mag, waren die Anfänge des Museums eher beschaulich: Ursprünglich gab es lediglich die Kleine Eremitage, ein von 1764 bis 1775 für Katharina die Große (1729-1796) erbautes Refugium, in dem sie fortan ihre ersten Gemäldekäufe unterbrachte.

Die bekannte Jordantreppe im Winterpalast. Endlose Pracht.

Neben ihrer eigenen Sammelleidenschaft verfolgte sie den ehrgeizigen Plan, dem russischen Reich über die einzigartige Anhäufung kostbarer Kunstgegenstände mehr Geltung zu verschaffen. Den Beginn dazu machte eine eigentlich von Friedrich dem Großen (1712-1786) in Auftrag gegebene Kollektion von mehr als 200 Bildern.

Durch seine Kriege finanziell arg gebeutelt, musste der Preußenkönig jedoch passen, – für die gerissene Zarin eine zuckersüße Gelegenheit, ihrem preußischen Pendant eine kleine Machtlektion zu erteilen. Sie gab den Händlern den Zuschlag. In der Folge wuchs die Sammlung stetig an. Beinahe 4000 Werke waren es bis zu Katharinas Tod im Jahre 1796. Entsprechend schnell wuchs auch die Erkenntnis, dass dringend neue Gebäude benötigt wurden. Hieraus resultierte letztlich jenes legendäre Ensemble am Ufer der Newa.

Van Goghs „Bauernhütten in Auvers“ (Gemälde um 1890).

Heute befinden sich in den Hallen des Museums neben allerhand weltbekannten Gemälden unzählige archäologische Artefakte, deren Anfänge bis ins Prähistorische zurückreichen. Auf insgesamt drei Besuchsebenen können Plastiken und Skulpturen römischer, ägyptischer oder fernöstlicher Herkunft bewundert werden.

Damit aber nicht genug: Aus – man bemerke – Platzmangel kann längst nicht alles ausgestellt werden, was an Kunsthistorischem in der Eremitage gelagert wird. Denn auch das hauseigene Archiv, in dem noch einmal rund 3 Millionen potenzielle Exponate schlummern, bewegt sich in schier unvorstellbaren Dimensionen.

Lange Warteschlangen gehören an der Eremitage zum Alltag.

Die Verlockungen der Eremitage indes scheinen für Kunstexperten und Laien von gleichermaßen hohem Interesse zu sein. So bemühen sich jährlich zwischen drei und vier Millionen Gäste erfolgreich um Einlass in die nicht enden wollenden Flure und Hallen. Wohlgemerkt: In einer Stadt, die ihren Besuchern noch rund 80 weitere Museen zu bieten hat.Sankt Petersburg geizt also wahrlich nicht mit Kunst und Kultur. Doch die Eremitage überragt bei weitem alles. Sie ist ein touristisches Muss für jeden Reisenden und darüber hinaus ein Symbol für den hohen Status der Stadt. – Nicht zuletzt ihretwegen befindet man sich an der Newa auf Augenhöhe mit Weltstädten wie London, Paris oder Rom.

 

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Weiterführende Links:
» Das Eremitage-Museum (Offizielle Homepage in englischer Sprache)