Noch immer besitzt in Sankt Petersburg allein der Nevsky-Prospekt den Status, Einkaufsmeile auf höchstem internationalem Niveau zu sein. Entlang der rund fünf Kilometer langen Prachtstraße im Zentrum der Stadt befinden sich einige der ältesten und auch klassischsten „Konsumtempel“, die Europa zu bieten hat.

Kaufgalerie „Passasch“ von innen, fertiggestellt im Jahr 1848. Gelegen unmittelbar am Nevsky Prospekt.

Ganz vorne in der Liste stehen natürlich das riesige Kaufhaus Gostiny Dwor und das direkt gegenüber gelegene Passasch, unter dessen Glasdachkonstruktion sich die Shops auf ganzer Länge aneinander reihen. Beide Häuser stellen ihre Gäste bereits seit vielen Jahren in beeindruckender Dimension vor die Wahl. Versuchung satt, soweit das Auge reicht – in beiden Fällen nahezu wörtlich zu verstehen.

Das eine, Gostiny Dwor, wurde bereits 1785 eröffnet und hat dennoch längst nicht ausgedient. Im Gegenteil sogar: Das mit seiner Fassadenlänge von knapp einem Kilometer in Wohnblockgröße daherkommende Kaufhaus gehört noch immer zu den meistbesuchten Adressen der Stadt. Über Kleidung, Lebensmittel, Haushaltswaren und Schmuck bis hin zu Literatur, Musik oder modernsten Hightech-Komponenten für das heimische Wohnzimmer ist in den verschiedenen Sektoren des zweistöckigen Gebäudes so ziemlich alles zu haben, was der Geldbeutel hergibt.

Das legendäre Gostiny Dwor auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1815. Monumentales Kaufhaus.

Die gleichnamige Metro-Station im Untergrund des Komplexes sorgt zudem für beste Erreichbarkeit – Geldausgeben wirklich leicht gemacht. Doch auch wenn der Griff ins Portemonnaie eher dezent bleiben soll, ist das „GD“ eine gute Anlaufstelle. Allein die Besichtigung des gigantischen Kaufhauses lohnt schon. Außerdem kann man es sich bei einem Besuch des auf der oberen Kolonnade gelegenen Freiluft-Cafes auch aus kulinarischer Sicht gut gehen lassen.

Das Passasch fügt sich hingegen voll und ganz in die glanzvolle Tradition großer europäischer Einkaufsgalerien. Die rund 200 Meter lange Ladenpassage wurde wie die meisten ihrer Artgenossen im Verlauf des 19. Jahrhunderts erbaut (exakt 1848) und beherbergt heute zahlreiche Luxusgeschäfte. Doch noch atemberaubender als manch angebotener Preis sind Anblick und Flair des wunderschönen Innenraumes. Oberhalb der Schaufensterflächen ziehen sich die mit zartgelben Farbtönen und edlem Marmor ausgeschmückten Fassaden kunstvoll Richtung Glasdach. Ein wirklich sehenswerter Ort.

Das Jelissejew-Haus, traditionelle Feinkost am Nevsky-Prospekt um 1900.

Dem feinen Ambiente entsprechend, geht es im Passasch trotz mehrerer tausend Besucher pro Tag zu keiner Zeit wirklich hektisch zu. Man flaniert, beobachtet oder begibt sich auf die Suche nach den passenden Accessoires. Die Waren werden stets dezent und freundlich angepriesen. Jeder ist herzlich willkommen, auch wenn offensichtlich nicht der Einkauf, sondern das Erlebnis im Vordergrund steht.

Doch auch andernorts verbinden sich entlang des Nevsky Prospects Architektur und Angebot zu einer interessanten Mischung aus Kauflust und Staunen. Es gibt Shops und kleine Läden inmitten prächtiger Bauten. Es herrscht geschäftiges Treiben. Und dennoch findet sich immer irgendwo ein Maler, der den vorbeiströmenden Passanten völlig unbeeindruckt seine Portraitzeichnungen anbietet.

Farbenfrohe Souvenirs auf einem Markt im Zentrum von Sankt Petersburg.

Apropos anbieten: Ebenfalls in Sichtweite des Gostiny Dwor befindet sich mit dem Jelissejew-Haus eine der weltbesten Adressen in Sachen Feinkost. Gegründet wurde das kulinarische Kleinod bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Seither strahlt es mit seiner ornamentierten Fassade und farbigen Glasflächen auf voller Länge. Aber erst im Inneren isst das Auge wirklich mit.

Wer es sich leisten kann und möchte, wird hier von Kaviar über Pralinen bis hin zu harten Spirituosen alles antreffen, was das Genießerherz begehrt. Doch keine Angst: Auch gucken ist erlaubt. Schließlich ist bereits das verschwenderische Interieur aus Spiegelflächen, auf Hochglanz polierter Holzvertäfelungen und hell glitzernder Kronleuchter ein optischer Genuss.

Sankt Petersburger Warenhaus am Nevsky Prospekt.

Abschließend bleibt anzumerken, dass die enorme Vielfalt der Einkaufsmöglichkeiten durch die zuletzt genannten Beispiele lediglich angedeutet werden kann. Wer offenen Auges durch Sankt Petersburg geht, findet auch abseits der großen Straßen häufig Gelegenheit, ein schönes Geschenk oder Andenken zu erwerben.

Zwangsläufig herrscht ein Überangebot in Sachen Souvenir- und Schmuckläden, die ebenfalls ein Stück vom großen Kuchen abhaben wollen. Matrjoschkas, Pelzmützen oder landestypische Bernsteinaccessoires gibt es in allen denkbaren Ausformungen. Dabei müssen – vor allem im Straßenverkauf – Qualität und Preis nicht immer übereinstimmen. Tourismus belebt nun mal das Geschäft; und zwar in all seinen Varianten.