In Strelna, einem wenige Kilometer südwestlich von Petersburg gelegenen Vorort, befindet sich der Konstantinpalast. In strahlendem Gelb-Weiß präsentiert sich seine Fassade dem Auge des Betrachters. Keine Anzeichen mehr von Verwitterung oder gar Zerfall wie direkt nach dem 2. Weltkrieg. Es ist offensichtlich, dass hier erst kürzlich Hand angelegt wurde.

Kleine Zeitreise in Strelna: Der Konstantinpalast in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, …

So geschehen in den Jahren 2001 bis 2003, als Präsident Putin seine Heimatstadt Sankt Petersburg für die anstehenden 300-Jahr-Feierlichkeiten ordentlich rausputzen ließ und sich dabei wohl auch des Barockkomplexes am Finnischen Meerbusen entsann. Unter hohem finanziellen Aufwand wurde dem im Geschichtsverlauf eher vernachlässigten Areal zu bislang nie da gewesenem Glanz verholfen.

Vernachlässigt? Wie das? Eigentlich war der von Peter dem Großen höchst selbst in Auftrag gegebene Palast als repräsentative Zarenresidenz geplant worden. 1720 begannen die Bauarbeiten, doch nach und nach verlor der Herrscher sein Interesse an dem Projekt und richtete sein Augenmerk Richtung Peterhof. Nun sollte dort sein „russisches Versailles“ entstehen, wodurch der halbfertige Konstantinpalast seinem Schicksal überlassen wurde.

Erst Jahrzehnte später ergriff erneut ein Zar die Initiative: Paul I. (1754-1801) ließ das Gebäude fertig stellen und benannte es nach Großfürst Konstantin Pawlowitsch Romanow (1779-1831), dem ersten Bewohner des Anwesens. Auf Umwegen war es also doch noch gelungen, den Palast zu beenden. Jedoch stand er auch in der Folgezeit stets im Schatten seines prominenten „Nachbarn“.

…, Anfang 20. Jahrhundert…

Nicht so zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Seit seiner Komplettsanierung dient der Konstantinpalast nicht nur als beliebtes Ausflugsziel und Museum, sondern auch politischen Zwecken: Er fungiert als Kongresszentrum des Kremls und beherbergte überdies im Juli 2006 den G8-Gipfel, jenes stets kontrovers diskutierte Treffen der Regierungschefs der führenden Industrienationen.

Heute ist der Palast dadurch auch weit überregional ein Begriff. Die Zukunft scheint um Längen besser als die Vergangenheit, auch wenn seine Schönheit nicht ohne Makel daherkommt. Hier und da scheinen die Farben ein wenig zu grell angemischt, doch das nur als Randnotiz. Denn insgesamt besticht das Anwesen durch offen zur Schau getragene Opulenz und seine Einbettung in typisches Ostsee-Idyll – absolut sehenswert.

Ein weitläufiger Park zum nahe gelegenen Wasser hin ermöglicht den Besuchern ein wenig Bewegung an sprichwörtlich frischer Luft (in Sankt Petersburg ein unmögliches Unterfangen), und im Gebäude selbst befinden sich die sorgsam rekonstruierten Räumlichkeiten der vornehmen Bewohner vergangener Tage. Allerhand Gemälde, Familienporzellan, dazu Kronleuchter und Musikinstrumente – genauso, wie man es an einem solchen Ort erwartet.

… und heute, d. h. im Rahmen des G8-Gipfels Juli 2006.

Ein echter Hingucker befindet sich im dritten Stock des Palastes, der Saal namens „Belvedere“. Er erinnert seiner Aufmachung nach stark an ein Schiff, ist mit einer Galionsfigur, Holzverkleidungen und Wendeltreppe ausgestattet.

„Warum das Ganze?“, fragt man sich fast zwangsläufig und findet die simple Antwort mit einem Blick nach draußen. Der Saal ermöglicht einen herrlichen Blick über den Finnischen Meerbusen; je nach Wetterlage natürlich.

Rund ein Dutzend Villen (Herbergen für Staatsgäste etc.) und das 4-Sterne Hotel „Baltischer Stern“ verleihen dem Areal den noch fehlenden Hauch von Wichtigkeit. Wer es sich leisten kann oder gar auf Staatskosten zum Konstantinpalast geladen wurde, erhält damit Gelegenheit, die Endlichkeit des Moments noch ein wenig hinauszögern. Ansonsten geht es abends wieder zurück in die Metropole. Auch das ist nicht das Schlechteste.

 

» Weitere Informationen: Kontaktdaten, Anreise und Öffnungszeiten


Links:
» www.konstantinpalace.ru (Offiz. Website – englisch und russisch)